Wer hat sich nicht schon alles auf den Weg gemacht, Gott zu finden: Schamanen der Vorzeit, kluge Männer und Frauen, Magier, Sterndeuter, Theologinnen und Theologen?
Wer hat nicht schon alles versucht, den Himmel auf die Erde zu meditieren: Im Sitz des Yoga, hüpfend und singend: Aber jetzt wird es kommen, das neue Zeitalter, das neue Bewustsein – Ja, jetzt, komm!?
Wer hat nicht schon alles behauptet: Ich habe Macht, ich weiß, was Gottes Wille ist, Abrakadabra und Hokuspokus?
Wer hat sich nicht schon alles den Kopf darüber zerbrochen, die Theorie zu finden, mit der Gott sich beschreiben ließe: Heilige, fromme Gelehrte, ja sogar Bischöfe und Päpste?
Und doch: Die Erde dreht sich, wenn man es so nennen will, unangefochten aller Beschwörungen und Meditationsgesänge, unangefochten von perfekten Theorien und klugen Gedanken weiter – im Kreis.
Nun, wenn die Gottsuchenden keinen Gott finden, so wird es keinen Gott geben!? Aber, aber: Wir sind doch gut katholisch, nicht wahr? Wir zweifeln doch nicht! Wir glauben – Nein, wir wissen es doch (besser)! Aber – reicht das, einfach glauben? Vielleicht – für euch.
Die Gottsuchenden jedenfalls werden IHN nie finden! Aber, und das ist entscheidend, Gott wird dennoch gefunden. Also doch: es gibt einen Gott!?
Nein, es gibt keinen Gott. Denn: „Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht.“ Aber, und auch das ist entscheidend, es gibt eine Geschichte der Menschen mit Gott – und zwar: egal ob es ihn gibt oder nicht.
Was ist es denn das, was du Gott nennst? Nur eine Idee? Ich frag jetzt nicht nach der Quantität sondern nach der Qualität, denn auch ich weiß: Ideen und Ideale an sich sind ja nicht schlecht und so manchem wären sie auch von Herzen zu gönnen.
Das, was ich meine ist dies: Hat Gott für dich einen Sitz im Leben? Was bleibt dir von ihm, wenn der Name wegfällt? Wieso bringst du ihn ins Spiel? Nur, weil man es dir so beigebracht hat? Nun, du hast auch gelernt, dass die Erde eine Scheibe ist, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist und dass Juden keine Menschen sind.
Das, was ich meine ist dies: Ist da bei dir noch mehr als nur die Idee? Gibt es etwas an Erfahrung, das bleibt, das für dich bleibt, wenn der Begriff, der Name Gott fehlt?
Immerhin: Wir gehören zu der ersten Generation, die denken dürfen, können und müssen: Gott fehlt. Es gibt ihn nicht. Wir sind die erste Generation, die nicht mehr denken kann: Eine Welt ohne Gott – undenkbar. Wir sind die erste Generation, die denken kann, darf und muss: Es muss ihn nicht geben.
Gib acht, dass Gott nicht nur Name, nur Idee ist – oder wird. Spüre dem nach, was du an dir und deinen Mitmenschen bemerkst. Denn: Deine Erfahrung nimmt dir keine Theologie (und sei sie noch so modern), kein Dogma (und sei es noch so alt) und kein Bischof (und sei er noch so allwissend).
Sprich, wenn du von ihm sprichst so, dass du von dir sprichst. Trenn dich nicht von ihm.
Manchmal frag ich mich, warum wir zu ihm beten. Sind wir nicht eins mit ihm? Wird er uns deshalb zum Gegenüber? Ist es nicht wie bei Verliebten. Wo die Liebe am intensivsten ist, da ist man eins.