Widerständig sein

Ich gebe zu, die zentrale Aussage des Christkönigsfestes, das wir am Ende des Kirchenjahres feiern: „Christus ist unser König“, kommt mir auf den ersten Blick merkwürdig vor. Könige kenne ich nur noch aus den Illustrierten in den Wartezimmern z.B. bei Ärzten. Da drängt sich einem beim Lesen der Eindruck auf, Königshäuser sind dazu da, für ein bisschen Klatsch und Unterhaltung zu sorgen. Wirklichen Einfluss oder eine wesentliche Bedeutung haben sie nicht.

Wie anders war das doch noch zur Zeit Jesu. Hier waren Könige Machthaber, die ein Volk bzw. ein Land regierten. Der König sprach Recht, bestimmte Gesetze, Verteidigte die Grenzen. Gewaltenteilung, wie wir sie kennen, gab es nicht. Der König war Gesetzgeber, Richter und Vollstrecker des Rechts in einer Person.

In so einer Zeit hatte der Satz „Christus ist unser König“ einen anderen Klang als heute. Er war geradezu aufrührerisch, denn mitzuhören war ja auch: Christus – und nicht der gerade regierende König – ist unser König.

Damit machten die Christinnen und Christen der frühen Kirche deutlich, dass es über aller weltlichen Instanz noch ein anderes Bezugssystem für uns Menschen gibt. Und dieses Bezugssystem macht sich fest am Menschen Jesus von Nazareth, der mit seinem Lebensstil immer wieder in Widerspruch zu den weltlichen, besonders aber auch den religiösen Machthabern seiner Zeit geraten ist.

Deshalb erinnert das Christkönigsfest bis heute an dieses kritische Potential, das uns Christinnen zu Eigen ist. Wenn die Menschenwürde auf dem Spiel steht, wenn Herrschende unbarmherzig mit einzelnen umgehen, wenn Macht und Wohlstand auf Kosten und zu Lasten von anderen durchgesetzt werden, dann sind wir ChristInnen aufgerufen, widerständig zu sein. Auch wenn uns diese letztendlich politische Dimension des Christsein manchmal aus den Blick gerät.

Christus zu folgen, das hat Folgen – auch für mein gesellschaftliches und politisches Engagement!