Der Wolf von Gubbio

denke ich an
gubbio zurück
dann fang ich
an
zu schwärmen
zu träumen
zu hoffen
zu glauben

dann weiß ich:
frieden wird sein

was geschehen
ist in
gubbio
nun gut ich will es erzählen

in gubbio
herschte seit
vielen
vielen
jahren
der wolf
der wolf
von gubbio

der wolf
er war
ein mörder

die menschen
in gubbio
wussten viel
zu sagen
von dem wolf

von dem wolf
den sie noch nie gesehen hatten

er sei
ein großes tier
ein bösartiges tier
ein hinterhältiges tier
ein schlitzohriges tier
ein hohes tier

er sei
kein tier
sondern
ein untier
eien bestie
der wolf
eine bestie

der wolf
den noch niemand gesehen hatte
keiner kannte seinen namen
keiner hatte je mit ihm gesprochen

und jedermann
der die stadt verließ
war gerüstet
gut gerüstet
gegen den wolf
das untier
die bestie

gerüstet
gegen den feind
man hatte aufgerüstet
gegen den
unheimlischen
unbekannten
schrecklichen
fremden
bösen feind

es herschte krieg
in gubbio
krieg
mit dem wolf

und eines tages
kam
ein mann
in die stadt

mitten das kriesengebiet
er hörte sich
die sachlage an

und nach kurzem
aber gründlichem
überlegen
versprach er
seine hilfe

und dann
ging er
machte
sich auf den weg
ohne zögern
ohne waffen
ohne misstrauen
ohne furcht
ohne ein zweites hemd
ohne wanderstab
ohne eine vorratstasche
machte er sich auf den weg


auf den weg
zum wolf

er ging
zum wolf
seinen traum
vom
himmelreich zu verkünden

im gepäck nur
sein vertrauen auf
gott

als der mann
beim wolf ankam
fing er an
zu sprechen

der mann
redete zu dem wolf

er redete
wie man
mit einem freund
einem bruder
spricht

es lag
vertrauen
in seiner stimme

bruder wolf
du richtest
sehr viel schaden an
diese gegend hältst du
in angst und schrecken

du hast schlimmes getan
und unheil verbreitet
du hast gemordert
du warst erbarmungslos

man klagt mit recht über dich
denn du bist
ein mörder
doch will ich
im namen gottes
frieden zwischen
dir und gubbio
schaffen
ich will einen endgültigen
frieden schaffen
es soll endlich frieden sein
du darfst
keinem mehr
ein leid antun

und dann sollen
ja dann werden die leute
dir vergeben
sie werden deine untaten erlassen
sie werden verzeihen
ihr sollt einander wieder
trauen
vertrauen
ihr sollt euch dem frieden
anvertrauen

der wolf war von dieser rede
ganz betroffen
er der wolf
das untier
die bestie
der mörder
war betroffen
das war etwas ganz neus
für den wolf

so wie dieser mann
hatte noch niemand mit ihm geredet
und der mann sprach weiter
bruder wolf
solange du lebst
soll friede sein
und wenn du damit einverstanden bist
wenn du damit leben kannst
dann will
ich dafür sorgen
dass für
dein tägliches Brot gesorgt ist
dass du täglich
von dem menschen
in gubbio
deine mahlzeiten bekommst
sie sollen dich
täglich speisen
wenn du versprichst keinem menschen
mehr ein leid an zu tun

denn
frieden muss gerecht sein

mit einem nicken stimmte der wolf
so gut er konnte
diesem vorschlag
zu

der wolf
das zahme tier
das lamm
kam von nun an jeden tag
nach gubbio
ging von tür zu tür
und bekam ein mahl
bekam jeden tag sein mahl

und so konnte frieden sein
denn frieden wird schnell
wenn wir misstrauen abbauen
wenn wir im anderen den bruder
die schwester erkennen