Du bist nicht mein Kind

Kind,
du bist nicht mein Kind
denn du gehörst dir selber.
Welchen Segen kann ich
dir also mit auf deinen Weg geben?
Was wirst du brauchen
auf deinem Weg,
auf dem ich dich ein Stück begleiten kann,
den du aber alleine gehst?

Das Schlaraffenland erwartet dich nicht.
Schatten fallen vom Menschen
auf den Menschen
in unserer Zeit,
die jetzt auch deine Zeit geworden ist.
Die Schatten machen die Angst groß
und den Menschen klein.

Da sehe ich dich,
„mein“ Kind,
wie du deinen Kopf hebst,
wie sich deine Hände auf dem Boden abstützen,
wie du deinen Körper vom Boden wegdrückst,
wie du anfängst zu krabbeln,
wie du dich an Schränken und Stühlen hoch ziehst,
wie du deine ersten Schritte tust,
wie du tagtäglich übst für den aufrechten Gang.

Und so sprech’ ich nun meinen Segen für dich
und wünsche dir,
dass du den aufrechten Gang,
den du als Kind so mühsam erlernst,
niemals verlierst.